Tagebuch 14.-20. Februar
Aus Réunion 2004-2005
<< 7.-13. Februar | 21.-27. Februar >>
Inhaltsverzeichnis |
14. Februar
Um den Deutschlehrern an den Grundschulen in Tampon die Möglichkeit zu geben, die Sprache etwas zu praktizieren, wurde ein informelles Treffen angeregt. Leider waren wir dann doch nur zu viert: Der gastgebende Lehrer, Barbara, Berit und Christian. Natürlich haben wir uns trotzdem gut unterhalten und unter anderem ein paar nützliche Tipps für unseren geplanten Mauritius-Urlaub bekommen.
Abends waren wir mal wieder im Kino und haben zwei Filme gesehen, die nicht schon vor Monaten in Deutschland gekommen sind. "Die Daltons gegen Lucky Luke" mit Til Schweiger als Lucky Luke (Kinostart in Deutschland 26. Mai 2005) und "Holy Lola" (28. August 2005), ein Film über ein Paar, das in Kambodscha ein Kind adoptieren will und dabei eine Menge Geduld beweisen muss.
16. Februar
Heute sind wir nach Cilaos gefahren, genau genommen in den Ort Cilaos im Cirque de Cilaos. Der Weg dorthin ist die Straße der 420 Kurven, die unser Corsa und seine Besatzung bravurös gemeistert haben. Leider verschlechterte sich das Wetter während unseres Ausfluges ständig. So war es schon sehr regnerisch, als wir in Cilaos ankamen. Wir besuchten die Tourist Information und das Weinmuseum. Dort wurde uns ein 8-minütiges Video vorgeführt, dass erklärt, warum der Wein jetzt besser oder anders ist als früher. Danach konnten wir zwei der Weinsorten probieren. Das war alles. Nachdem es sich offenbar eingeregnet hatte, haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht.
17. Februar
Nachdem Barbara donnerstags keinen Vormittagsunterricht hat, ist sie mit Berit zur Wasseruhr von Bois Court gefahren, um einen Blick auf Grand Bassin werfen zu können. Danach sind die beiden in den Wald von Notre-Dame-de-la-Paix. Wegen starken Regens haben sie aber ihre Wanderung auf dem Lehrpfad nach einer Viertelstunde abgebrochen und sind wieder zurückgelaufen.
Heute abend hätten wir etwa eine Dreiviertelstunde lang einen rot erleuchteten Nachthimmel bestaunen können, hätten wir denn aus dem Fenster geschaut. Der Grund: Um 20:45 Uhr ist der Vulkan ausgebrochen.
18. Februar
Irgendwie versinkt die Insel gerade ein bisschen im Chaos. Weil ein tropisches Tief recht konstant 300 Kilometer von Réunions Küsten weg ist, regnet es ziemlich viel. Und da Wasser die unangenehme Eigenschaft hat, Berge herunter zu fließen, ist die halbe Insel überschwemmt. Die Küstenstraße musste gesperrt werden, und da die Schulbusse nicht überall durchkommen, ist heute in St.-Denis keine Schule.
Hier im Süden regnet es weniger (immer noch genug), dafür gibt es eben den Vulkanausbruch. Berit hat trotzdem versucht, per Bus wenigstens noch ein bisschen von der Insel zu erkunden.
Am Abend sind wir dann Lava schauen gefahren. Wie immer zu Vulkanausbruchszeiten gab es einen riesigen Menschenauflauf an der Straße, von wo aus die Lava zu beobachten ist. An einem schwarzen Freitag beim letzten Vulkanausbruch standen Schaulustige stundenlang in einem Stau, der sich nicht mehr auflösen konnte, weil parkende Autos die Straße blockierten. Davon blieben wir heute verschont. Allerdings gab es auch nicht so richtig viel zu sehen, eben einige glimmende Punkte in der Ferne.
19. Februar
Logisch, was wir heute gemacht haben: Die Lava tagsüber angeschaut! Zuerst haben wir versucht, nähere Informationen zu erhalten. Angeblich sollte der Lavastrom die Straße noch in der Nacht überquert haben. Das waren zumindest die Prognosen vom Vorabend. Ohne Fernseher bekamen wir aber kaum aktuelle Informationen. Es gibt keine Internetseite mit ständig aktualisierten Nachrichten. Die Radiosender beschäftigten sich weiterhin hauptsächlich mit der immer noch schwierigen Situation im Norden der Insel, wo Regenfluten das alltägliche Leben gehörig durcheinander gebracht haben.
Vor Ort gab es dann weit weniger Leute als am Abend zuvor. Die Eruption ist vorerst zum Erliegen gekommen. Daher ist das Glühen des Lavastrom aus der Ferne tagsüber nicht mehr zu erkennen. Eine Wanderung direkt an den Lavastrom wäre denkbar gewesen. In zwei Stunden hätten wir über schwieriges Terrain - zerklüftete Lavafelder von früheren Ausbrüchen - bis zum aktuellen Lavastrom steigen können. Angesichts der relativ wenigen Schaulustigen gab es auch nur wenige Geschäftstüchtige mit Imbissständen. Wir haben uns mit einigen für Réunion typischen Kuchenstücken eingedeckt: Mais, Maniok (mit und ohne Rosinen), Chou-Chou mit Schokolade.
Um den langen Weg nicht ganz vergebens gemacht zu haben, sind wir noch zu den Cascades de Langevin gefahren und haben Berit diese beeindruckenden Wasserfälle gezeigt.
Abends waren wir dann noch Essen in der Bonne Cuisine und hatten dort ein Auswahl verschiedener Karis und einen gestürzten Reistopf.
Die Bilder von gestern und heute
20. Februar
Heute haben wir einen Ausflug zum Vulkan gemacht. Aufmerksame Leser denken vielleicht, dass hätten wir bereits gestern gemacht, aber nein, es verhält sich etwas komplizierter. Der aktive Vulkan Piton de la Fournaise liegt im Südosten der Insel. Die Ausbrüche der letzten Jahre und auch der aktuelle finden daher an der Ostflanke des Vulkans statt. Die Lavaströme sind von der Küstenstraße im Südosten zu beobachten. Die Caldera, also eine Art großer Krater, der durch das Absacken des Berges in zusammenstürzende Magmakammern entstanden ist, liegt hingegen weiter westlich. Sie ist von Nordwesten her zu erreichen, also vom Inneren der Insel. Unser heutiges Ziel war also der Rand der Caldera und die Vulkanlandschaft, die wir auf dem Weg dorthin durchquerten.
Wir sind also früh aufgestanden, damit wir um sieben Uhr auf den Vulkan fahren konnten. Tagsüber liegt dort meistens alles in den Wolken. Der Weg führt durch die Plaine des Sables - Sandebene - in der kaum etwas wächst. Im Krater selber sind normalerweise viele Wanderer unterwegs, doch wegen der momentanen vulkanischen Aktivitäten ist der Zugang gesperrt und wir konnten Fotos von dieser menschenleeren Lavawüste machen. Auf dem Rückweg zogen langsam die Wolken herauf, und wir waren froh, so zeitig aufgestanden zu sein. Um unsere praktischen Erlebnisse noch mit theoretischem Wissen zu untermauern, besuchten wir noch das Vulkanmuseum in Bourg Mourat.