Tagebuch 17.-24. Oktober

Aus Réunion 2004-2005

25.-31. Oktober

Inhaltsverzeichnis

Vorher

24.9. Barbara erhält eine E-Mail, dass noch Stellen für Fremdsprachenassistenten auf Réunion frei sind. Wenige Tage später wird ihre Beschäftigung an zwei Grundschulen fest vereinbart.

1.10. Wir buchen unsere Flüge.

17. Oktober

Mit welchem Verkehrsmittel lassen sich etwa 100 Kilo Gepäck am besten transportieren?

Auf dem Bahnhof in Straßburg
vergrößern
Auf dem Bahnhof in Straßburg

Erster Test: Das Auto von Barbaras Eltern. Kurz nach 7 Uhr sind wir in Daisbach losgefahren und kamen bequem und rechtzeitig in Straßburg an. Auch unser nächstes Verkehrsmittel, der Zug nach Paris (ab Straßburg 9:50) erwies sich als äußerst geräumig.

Etwas problematischer: Die Pariser Metro. Hier hatten wir vorausschauenderweise die studentische Umzugshelferin Emeline - eine Großcousine von Barbara - engagiert, die uns tragen half. Leider gibt es in der Metro nicht überall Rolltreppen; die engen Sperren an den Eingängen stellten auch ein leichtes Hindernis dar. Ganz großzügig entlohnten wir Emelines Tragearbeit mit einer kleinen Tasse Kaffee.

Der Zubringerbus zum Flughafen Paris-Orly (Abfahrt 15:50) war auch dafür ausgelegt, größere Mengen Gepäck aufzunehmen und brachte uns direkt zum Terminal.

Mit Emeline in  Paris
vergrößern
Mit Emeline in Paris

Am Flughafen haben wir dann unsere Flugkarten abgeholt und unser Gepäck eingecheckt - trotz unserer je 40 Kilo Koffer pro Person kein Problem. Wer einen internationalen Studentenausweis hat, darf bei Corsair bis zu 50 Kilo Gepäck mitnehmen. Unsere zwei Computer wurden dann gewichtsmäßig auch nicht auf das Handgepäck angerechnet. Unsere deutschen Personalausweise sorgten zweimal für Verwirrung: Der eine Kontrolleur wollte einen Pass sehen, eine andere ließ uns beinahe an einer Schlange für nicht EU-Bürger anstellen, wir konnten sie dann doch überzeugen, dass Deutschland EU-Mitglied ist. Wohlgemerkt, das war noch in Paris.

18. Oktober

Unser Heim von außen
vergrößern
Unser Heim von außen
Ankunft auf Réunion

Der Flug mit dem Corsair-Jumbo verlief ohne besondere Vorkommnisse. Das Essen war ausreichend und genießbar. Mit einer knappen Stunde Verspätung um etwa 20 Uhr MESZ gestartet, landeten wir nach gut 10 Stunden kurz nach 8 Uhr Ortszeit am Flughafen in Saint Denis. Statt zu schlafen, haben wir natürlich die zwei Filme an Bord angeschaut und waren am Tag dementsprechend müde.

Auf die erste Wohnung!
vergrößern
Auf die erste Wohnung!

Auch unser Gepäck kam mit uns an. Das Einreisepersonal war hier offenbar etwas besser ausgebildet als das in Paris. Damien, ein Freund von Barbara, holte uns ab. Zur Begrüßung gab es gleich auf dem Flughafen Guavier-Likör. (Die entsprechende Frucht ist nicht 100% identisch mit einer Guave, es gibt aber keinen deutschen Namen).


Auf dem Weg haben wir gleich mal an einem Strandkiosk angehalten, wo wir am Strand unter Palmen saßen. Damien hat uns dann noch bei sich und seiner Familie zum Essen eingeladen, bevor er uns am Nachmittag zu unserer vorläufigen Wohnung in Le Tampon gebracht hat. Den Rest das Tages haben wir zu Hause verbracht. Unsere Wohnung ist eher ein Ferienwohnung. Für den Anfang praktisch, weil eben alles da ist: Eine komplette Küche, und ein Schlafzimmer mit einem Doppelbett einem weiteren Bett und einem Schrank; ein Fernseher ist auch da. Das Bad hat eine große Dusche. Dass alles vollgestellt ist, ist auf Dauer aber eher störend, und auch die Größe und Raumaufteilung ist einfach nicht geeignet für zwei Personen, die viel Zeit zu Hause verbringen. Deswegen werde wir uns etwas anderes suchen.

19. Oktober

Wir haben ein Telefon

Nach etwas Gepäck Auspacken waren wir am Nachmittag auf dem Florilège in Le Tampon. Das ist ein Blumenfestival, dass dieses Jahr unter dem Motto "Einheimische Pflanzen" steht. Neben der eigentlichen Pflanzenschau in einem Park gibt es auch einen großen Markt.

Da wir schon in den Einkaufsstraßen waren, haben wir die Gelegenheit genutzt, eine SIM-Karte fürs Handy zu kaufen. Vorerst hat nur Barbara eine Nummer, Christian wird sich die Tarife noch einmal genau anschauen. Leider verfallen Aufladebeträge für Cash-Karten hier so schnell, dass das ungünstiger als ein Vertrag mit Mindestumsatz in Deutschland ist. Auf dem Weg nach Hause haben wir noch kurz bei zwei Immobilienmaklern halt gemacht und eingekauft.

Von unserer Terrasse aus können wir die allabendliche Livemusik des Florilège hören. Heute war es die Reggae-Cover-Band von Jimmy Cliff.

20. Oktober

Auf Auto-Suche

Nur ein Mietwagen
vergrößern
Nur ein Mietwagen

Mit einer Angestellten unserer Vermieterin sind wir nach St. Pierre gefahren. Dort ist es schon jetzt sehr schwül und heiß, wir waren mittags am Strand. Am Nachmittag haben wir uns ein Auto gemietet, das an Häßlichkeit kaum zu überbieten ist: Einen Renault Symbol, das ist eine Stufenheck-Version des Clio. Dann haben wir damit die schillernde Welt der Gebrauchtwagenhändler erkundet und sind einkaufen gefahren. Günstige Gebrauchtwagen mit vier Türen sind leider sehr selten, so dass wir wohl einen Zwei-Türer nehmen werden.

21. Oktober

Zu früh gefreut

In der Früh sind wir zum Lycée Roland Garros gefahren, wo Barbara bei ihrem letzten Aufenthalt gewohnt hat, um uns zu erkundigen, ob einen Wohnung frei ist. Leider war niemand Zuständiges da, es sind ja gerade Schulferien. Danach sind wir zwei Autos Probe gefahren. Einen Diesel-Polo mit über 150.000 km und einen Corsa mit auch schon über 100.000 km (aber vier Türen). Als wir wieder nach Hause kamen, war bei unserer Vermieterin gerade Maria-Lourdes zu Besuch, eine Spanisch-Assistentin, die auch noch auf Wohnungssuche ist. Sie hat sich später nochmal gemeldet und möchte vielleicht mit uns eine Vierer-WG gründen, weil ihr Freund auch bald nachkommt.

Die zuständige Betreuerin hat Barbara hat ihren Stundenplan geschickt: Mo-Fr außer Mi jeden nachmittag Unterricht, außerdem noch Di und Fr vormittags.

Am Nachmittag sind wir wieder nach St. Pierre gefahren und haben eine weitere Probefahrt gemacht, und zwar mit einem Peugeot 106. Wir waren uns einig: Das ist das beste Auto. Die Sache hatte dann aber doch einen kleinen Haken, nämlich dass das Auto schon verkauft war. Das war ziemlich frustrierend, weil das Auto auf uns einen sehr guten Eindruck gemacht hat, das beste Preis-Leistungsverhältnis hatte und wir es schon in unserem Besitz geglaubt hatten.

Also sind wir zurück nach Le Tampon zu dem anderen Händler und haben den Corsa für uns reserviert. Leider wird es noch bis Mitte der kommenden Woche dauern, bis wir das Auto haben, obwohl Barbara schon ab Montag (=Schulanfang) mobil sein muss.

22. Oktober

Ruhetag

Blick von unserer Terrasse
vergrößern
Blick von unserer Terrasse

Während wir friedlich im Bett liegen, wird es um 4 Uhr früh ernst für 2020 Lauf-Verrückte: In Saint Philippe startet der Grand Raid. Mit dabei ist auch Damien, der uns am Montag vom Flughafen abgholt hat.

Heute sind wir zu Hause geblieben. Barbaras Betreuerin war kurz da und hat ihr einige Unterrichtsmaterialien vorbeigebracht. Ansonsten sind wir das erste Mal unseren normalen Tätigkeiten zu Hause nach gegangen: Unterrichtsvorbereitung (Barbara) und Multimedia-Konzeption (Christian). Zwischendrin haben wir uns im Fernsehen die ersten Berichte vom Grand Raid angeschaut.

23. Oktober

Neue Freunde

Blick von unserer Terrasse
vergrößern
Blick von unserer Terrasse

Heute sind wir recht früh aus dem Haus gegangen, zuerst in den Supermarkt, dann ins Internet-Café, danach zur Post (Geld abheben) und zum Bäcker. Unser eigentliches Ziel war das Lycée Roland Garros, dort waren wir zum Frühstücken eingeladen. Yvonne aus Köln wohnt dort mit Indie aus England - beide sind ebenfalls Fremdsprachenassistentinnen. Außerdem waren noch Manuèle aus der Gegend von Tuttlingen da und Marie-Lourdes. Lustigerweise sind die beiden Deutsch-Assistentinnen in der gleichen Situation wie Barbara: Yvonne und Manuelle stehen auch vor dem Referendariat und sind beide schon das zweite Mal Fremdsprachenassistentinnen.

Am Nachmittag sind wir dann auf nochmal auf den Markt vom Florilège und haben uns bei der Gelegenheit günstig mit luftiger Kleidung eingedeckt.

Bereits kurz vor ein Uhr früh hat der erste Läufer nach 21 Stunden die 140km des Grand Raid hinter sich gebracht, wie wir aus dem Fernsehen erfahren. Auch Damien ist heute angekommen, und zwar um kurz vor halb drei Uhr nachmittags, als 254ster.

24. Oktober

Kolonialismus

Nachdem unserer Vermieterin heute ein paar Freunde zu Besuch hatte, hat sie uns mit zum Mittagessen eingeladen. Also fanden wir uns in einer Runde von Lehrern kurz vor oder nach der Pensionierung wieder. Sie waren allesamt ursprünglich aus Métropole (so wird in Frankreich das "Mutterland", also das eigentliche Frankreich, genannt). Wir haben dabei gespürt, dass hier so manche Einstellung aus der Kolonialzeit noch nicht ganz verschwunden ist.


25.-31. Oktober