Tagebuch 27. Dezember-2. Januar
Aus Réunion 2004-2005
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Inhaltsverzeichnis |
29. Dezember
Damit wir alle Fans von deutscher Weihnachtsbäckerei beglücken könnten, haben uns Barbaras Eltern ein Lebkuchen-Paket schicken lassen. Am 12. November schickte Lebkuchen-Schmidt aus Christians heimatlichem Mittelfranken ein Paket auf die Reise - und heute, nach über 6 Wochen, ist es bei uns angekommen. Dem Inhalt hat die lange Reise zum Glück nicht geschadet.
Am Nachmittag haben wir Luis und Anna besucht, mit denen Barbara während ihres ersten Aufenthaltes viele Wanderungen unternommen hat. Luis ist Spanisch-Lehrer kurz vor der Pensionierung und betreut spanische Fremdsprachenassistenten. Wir hatten das Ehepaar schon einmal kurz auf dem Markt getroffen, aber jetzt in den Ferien haben wir mehr Zeit, solche Kontakte aufzufrischen.
30. Dezember
Heute stand mal wieder etwas Interessantes in der Zeitung: Gestern vormittag haben ein Großteil der Tankstellenpächter gestreikt. Ein departementaler Erlass sollte die spätesteste Verkaufszeit für Alkoholika in Tankstellen auf 18 Uhr festlegen. Durch ihren Streik erreichten die Tankstellenbetreiber, dass sie weiterhin bis 21 Uhr ihr Bier verkaufen können, wenn sie sich im Gegenzug im Kampf gegen den Alkoholismus stärker engagieren. Obwohl der durchschnittliche Alkoholkonsum auf Réunion relativ niedrig ist, ist der Alkoholismus ein weit größeres Problem als anderswo. Bei jedem 10. Mann, der stirbt, ist die Todesursache Alkohol, mehr als jeder zweite tödliche Autounfall wird durch Alkohol verursacht, und er spielt bei vielen Straftaten wie Mord, Raub und Gewalt in der Familie eine große Rolle.
Auch heute wieder hatten wir ein Treffen mit einem Lehrer, den Barbara vom letzten Mal Réunion her kennt. Lionel und seine Frau Veronique waren am Nachmittag zu Besuch. Danach fuhren wir mit Yvonne erst nach St.-Gilles (dort haben wir Abend gegessen) und dann weiter nach St.-Denis. Am Flughafen holten wir Saida, eine Freundin von Yvonne, ab.
31. Dezember
Heute waren wir bei Luis und Anna zum Jahreswechsel eingeladen. Da das Wetter nicht besonders günstig war, mussten wir leider von einem Strandsylvester Abstand nehmen und haben das ganze in Luis und Annas Haus verlegt.
Uns wurde zuvor mit Nachdruck gesagt, wir sollten, wenn überhaupt, nur etwas Kleines mitbringen. Also haben wir uns daran gehalten und nur einen kleinen Kartoffelsalat - Rezept von Barbaras Oma - mitgebracht. Als die anderen Gäste eintrafen, wussten wir, wieso Anna darauf bestanden hatte, dass wir nur etwas Kleines mitbringen sollten. Außer uns hatten alle jeweils Essen für ca. 8 Leute gemacht. Das beduetet, dass jedes Paar also Essen für 16 Leute dabei hatte, dabei waren wir nur 9 Erwachsene und 4 Kinder! Es gab so unterschiedliche Sachen wie Carry Crevettes, Riz Cantonais, 150 selbstgemachte Nems (so heißen hier die Frühlingsrollen), Schweinefleisch süß-sauer, und das ist nur das, an was wir uns erinnern.
Natürlich gab es vorher, wie in Frankreich üblich, Aperitif und danach noch Nachtisch. Um Mitternacht waren wir gerade eben mit dem Hauptgang fertig. Anna hatte, wie es in Spanien Brauch ist, schon jeweils 12 Trauben für jeden bereitgelegt, die wir bei den zwölf Glockenschlägen um Mitternacht essen sollten. Angesichts der Tatsache, dass keine Kirchenglocken zu hören waren, hat Anna das selbst in die Hand genommen und selber die zwölf Glockenschläage geläutet, was den Vorteil hatte, das wir die Trauben noch einigermaßen rechtzeitis immer in den Mund schieben konnten.
Das viertelstündige Feuerwerk der Stadt Le Tampon hielten angesichts des Tsunamis nicht alle Gäste für angebracht, trotzdem ging es danach mit Champagner weiter. So gegen halb zwei haben wir uns verabschiedet, was einen allgemeinen Aufbruch zur Folge hatte. Da die Diskussionen am Tisch die ganze Zeit sehr angeregt waren, waren wir am Ende des Tages schon ziemlich müde. Angesichts der Tatsache, dass - oh Wunder!- nicht alles leer gegessen wurde, wurde gleich ein Resteessen für den nächsten Tag organisiert.
1. Januar
Am ersten Tag des neuen Jahres sind wir um 11 Uhr aufgestanden. Kurz vor unserer Resteessenseinladung haben wir noch versucht, in Deutschland anzurufen, aber da ist es ja doch noch recht früh. Jedenfalls kamen wir als letzte bei Luis und Anna an, obwohl wir es am nächsten hatten und auch keine Kinder ins Auto ein- und wieder ausladen mussten. Aber dafür ist ja der Aperitif da, dass jeder ein bisschen Verspätung haben kann.
Diesmal war die Besetung ein kleines bisschen anders als am Vortag, aber die Anzahl der Gäste war ziemlich gleich. Da es natürlich hätte sein können, dass sich die Nahrung über Nacht verkleinert, hat jeder noch mal was zu essen mitgebracht, was am Ende dazu geführt hat, dass jeder ein rießiges Esspacket mitnehmen konnte. Unseres hat 3 Tage gereicht!
Wir haben Glühweingewürz beigesteuret und haben zum Nachtisch Glühwein gemacht, den die meisten auch recht lecker fanden. Da aber Alkohol bei solchen Anlässen doch recht reichlich fließt haben die meisten nur ein wenig davon genommen. Barbara hat sich dann aufgeopfert und den Rest getrunken.
Da wir durch das Regenwetter keinen Verdauungsspaziergang machen konnnten, haben wir eben verdauungsdiskutiert, was sehr interessant war. So gegen 18 Uhr sind dann alle heim, weil bei diesem Regenwetter auch jeder vermeiden wollte im Dunkeln heimfahren zu müssen.
Bei uns angekommen, haben wir uns erst mal hingelegt und geschlafen.
2. Januar
Am Sonntag war dringend ein Verdauungsspaziergang angesagt. Trotz schon regnerischen Wetters am Vormittag machten wir uns erstmal mit dem Auto auf den Weg in den etwa 1000 Meter höher gelegenen Wald von Notre-Dame-de-la-Paix. Unterwegs kamen wir durch eine Kulturlandschaft, die uns an Irland, Schottland und das Allgäu erinnert hat: Saftig grüne Wiesen, teilweise eingezäunt und mit Kühen bestückt.
Unser Ziel war allerdings ein Lehrpfad durch einen Urwald. Ein Ausflugsziel, dass wir nur empfehlen können: Der Rundweg ist ein angenehmer Spaziergang von etwa einer Stunde bei angenehmem Klima inmitten der Wolken und natürlich gibt es viele interessante Pflanzen zu sehen. Den schönen Picknickplatz mussten wir allerdings nicht in Anspruch nehmen, dafür war unser Ausflug zu kurz.