Tagebuch 20.-26. Dezember

Aus Réunion 2004-2005

<< 13.-19. Dezember | 27. Dezember-2. Januar >>

Inhaltsverzeichnis

20. Dezember

Heute ist Tag der Abschaffung der Sklaverei. Seit 20. Dezember 1848 gibt es hier keine Sklaverei mehr. Eigentlich wurde die Sklaverei in Frankreich schon mit der Revolution abgeschafft, aber das kam hier nicht so gut an. (siehe auch Geschichte).

Den freien Feiertag haben wir für einen Ausflug zusammen mit Yvonne genutzt. Zuerst haben wir Maria-Lourdes nach St.-Gilles gefahren. Dort wohnt sie die restliche Woche bei zwei anderen Fremdsprachenassistenten: Ed aus Reading und Rachel aus der Nähe von Philadelphia. Die beiden wohnen in einem recht großen kreolischen Haus wohnen, dass sie von einer Grundschulrektorin gemietet haben.

In St.-Paul wollten wir ein kleines Dorf aus Bambushäuschen anschauen, das extra zu den Feierlichkeiten aufgebaut wurde. Aber hier waren die Feierlichkeiten wohl schon auf das Wochenende vorgezogen, außerdem wurden viele Sachen wegen der Unwetter des vorhergehenden Tages abgesagt. Auf dem Rückweg sind wir noch an den Strand in Etang-Salé und zu Damien und Nathalie gefahren. Am Abend war dann in St.-Pierre ein Konzert, wo wir noch einige andere Leute trafen.

21./22. Dezember

Hier wird Litschi-Rum vorbereitet
vergrößern
Hier wird Litschi-Rum vorbereitet
Die Litschis werden in die Flasche gesteckt
vergrößern
Die Litschis werden in die Flasche gesteckt

Am Dienstag kam ein Paket an, dass Barbaras Mutter am 17. Dezember von Wissembourg im Elsass aus abgeschickt hatte. Barbara und Yvonne haben unseren ersten eigenen rhum arrangé angesetzt, und zwar mit Litschis, denn bald ist die Litschi-Saison vorein.

Am Mittwoch Abend gab es eine kleine Abschiedsfeier mit Alison, Indie, Lynn, Yvonne und noch einigen Freunden. Die Weihnachtsferien stehen kurz bevor, einige werden verreisen und nicht alle werden noch da sein, wenn die Schule wieder anfängt. Getroffen haben wir uns im Café de la Gare, eine Kneipe, die wir häufiger mal besuchen. Hier endete bis in die sechziger Jahre die Bahnlinie von St.-Denis entlang der Küste.

23. Dezember

Heute ist erst Donnerstag, trotzdem war der Markt schon heute, auch wenn wir eigentlich gedacht hatten, dass hier erst am 25. Dezember Weihnachten ist und deswegen der 24. Dezember ein ganz normaler Arbeitstag ist. Natürlich haben wir besonders reichhaltig für die Feiertage eingekauft

Am Abend hatten wir dann eine schöne Bescherung: In unserem Vorratsraum sind beide Regale umgefallen. Über Gewürze, Kekse, Schokolade, Plastikbehältern mit Mehl, Reis und Zucker und unsere Sammlung von Plastikwasserflaschen für schlechte Zeiten ergoss sich eine Mischung aus Rotwein und Sojasoße, gemischt mit den Scherben der entsprechenden Flaschen. Ein Teil unseres Geschirrs ging auch kaputt, besonders ärgerlich: eine schöne Glasschüssel, die wir für Aufläufe und ähnliches verwendet hatten und günstig am Flohmarkt erworben hatten.

24. Dezember

Weihnachtsstimmung in den Tropen
vergrößern
Weihnachtsstimmung in den Tropen
Da fehlt noch einer: Esstisch am Heiligen Abend
vergrößern
Da fehlt noch einer: Esstisch am Heiligen Abend


Trotz des unschönen Erlebnisses am Vorabend war es um halb vier Uhr früh schon wieder Zeit zum Aufstehen. Yvonne und Barbara brachten Manuelle zum Flughafen nach St.-Denis und verbanden das mit einer Einkaufstour in der Hauptstadt. Praktischerweise war Manuelles Mitbewohnerin gerade nach Hause gekommen und hatte ihr schon beim Gepäck heruntertragen geholfen. Dank der freien Straßen waren die drei dann auch sehr früh am Flughafen. Maria-Lourdes nahm ebenfalls das selbe Flugzeug wie Manuelle, mit dem Unterschied, dass sie nach Weihnachten nicht mehr zurückkehren wird. Indie hat den ganzen Tag mit den letzten Vorbereitungen für eine große Reise zugebracht. Am Abend ist sie zu Freunden gefahren, um dann am nächsten Vormittag mit Alison zusammen für über einen Monat nach Indien zu fliegen.

Bei uns gab es abends Lasagne und wir haben mit Yvonne zusammen unsere Geschenke ausgepackt.

25. Dezember

Unser Frühstück heute
vergrößern
Unser Frühstück heute

Heute um Mitternacht wurde Weihnachten erstmal mit Feuerwerkskörpern begrüßt, so wie wir das vom Jahreswechsel kennen, wenn auch nicht ganz so intensiv. Auch wenn wir es natürlich nicht toll finden, wenn Leute heute am Feiertag arbeiten müssen, haben wir uns für unser Weihnachtsfrühstück Brot und Croissants vom Bäcker geholt.

Wer das Foto genau anschaut, erkennt eine möglichweise unbekannte Frucht auf den Tellern. Es handelt sich um rosa Pitahaya/Pitaya, auch Drachenfrucht genannt. Hat drinnen kleine schwarze Kerne ähnlich wie bei einer Kiwi und schmeckt ehrlich gesagt nach nichts. Es gibt auch noch eine gelbliche Art, aber die haben wir bisher auf Réunion nicht gesehen.

Nach einem entspannten Tag haben wir abends noch Glühwein getrunken und eine DVD angeschaut.

26. Dezember

Wanderung oberhalb der Grand' Anse

Heute haben wir dringend einen Verdauungsspaziergang benötigt und haben als Ausflugsziel uns eine kleine Landzunge ausgesucht, die gleich bei dem Strand der Grand' Anse liegt. Danach waren wir noch kurz an diesem Strand, sind aber bald wieder nach Hause gefahren.

Blick vom Piton de Grande Anse auf Cap à Noël und Petite Île
vergrößern
Blick vom Piton de Grande Anse auf Cap à Noël und Petite Île
Am Meer ist es etwas windig
vergrößern
Am Meer ist es etwas windig
Die Spitze des Piton de Grande Anse
vergrößern
Die Spitze des Piton de Grande Anse
Christian auf einem Felsbrocken am Piton de Grande Anse
vergrößern
Christian auf einem Felsbrocken am Piton de Grande Anse
Gut, dass Christian vorher wieder runtergegangen ist
vergrößern
Gut, dass Christian vorher wieder runtergegangen ist
Blick von oben auf den Strand der Grande Anse
vergrößern
Blick von oben auf den Strand der Grande Anse

Von den schlimmen Nachrichten dieses Tages haben wir dann erst nach und nach erfahren. Dass der Tsunami auch bis hierher kommen würde, war uns zunächst überhaupt nicht bewusst. Erst aus Zeitungsberichten der folgenden Tage haben wir bemerkt, dass es hier eine 1-2 Meter hohe Flutwelle gab. Sicherheitshalber wurden die Strände evakuiert, in zwei Häfen entstanden an Fischer- und Freizeitbooten sowie an Hafeneinrichtungen ein Schaden von etwa einer halben Million Euro. Es wurde aber niemand verletzt. Da Réunion im Prinzip ein riesiger Berg ist, von dem ein Teil aus dem Wasser ragt, steigt es überall recht steil an. Somit sind selbst Häsuer direkt an der Küste meist schon ein paar Meter höher gelegen und somit bestand in der Hinsicht keine Gefahr. Im benachbarten Madagaskar mit flacherem Land hinter den Küsten ist wohl erheblich mehr Schaden entstanden.

Am Abend haben wir uns an kreolischer Küche versucht: Es gab Kari Poulet, also Hühnerfleisch in Gewürzsauce mit Reis, scharfer Würzsauce und Bohnen. Wir hatten allerdings eine sehr europäische Version. Hier wird das Geflügel am Knochen stundenlang gekocht, wir haben einfach einige Filets in der Pfanne angebraten. Das nächste Mal werden wir uns nicht mehr wundern, wieso unseres etwas anders schmeckt, oder wir machen es sogar richtig...


<< 13.-19. Dezember | 27. Dezember-2. Januar >>