Tagebuch 3.-9. Januar
Aus Réunion 2004-2005
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Inhaltsverzeichnis |
3.-4. Januar
Seit heute hat Yvonne zusätzlich zu Saida noch weiteren Besuch: Dagmar und Michael aus Köln. Da Yvonnes Mitbewohnerin Indie fast den ganzen Januar in Indien ist, kann sie trotzdem alle unterbringen.
Ab Mittwoch machen wir unsere erste Tour mit zwei Übernachtungen außer Haus. Unser Ziel: Mafate.
Vielleicht sollten wir dazu aber noch einiges Grundlegende erläutern. Mafate ist einer der drei Cirques von Réunion. In diesem Zusammenhang bedeutet Cirque auf deutsch Talkessel. Réunion ist ja vulkanischen Urspungs, und die drei Cirques sind aus dem Einsturz von Magmakammern des inzwischen erloschenen Piton des Neiges entstanden.
Die Namen der drei Talkessel sind alle madegassischen Ursprungs: Cilaos bedeutet "Den Ort, den man nicht verlässt", Mafate ist benannt nach einem bösen Zauberer "der, der tötet" oder "der, der stinkt" und Salazie heißt "gutes Lager". Was uns natürlich nicht abschreckt, nach Mafate zu wollen.
Der Begriff Talkessel vermittelt vielleicht eine falsche Vorstellung. Zum einen von der Größe: Cilaos, Mafate und Salazie sind etwa gleich groß mit Durchmessern um die 10 km und einer Fläche von knapp 100 km². Während ein Kessel im Normalfall einen flachen Boden hat, sind die Cirques auch in ihrem Inneren sehr zerklüftet.
Die beiden Talkessel Cilaos und Salazie ähneln sich: Im ersten wohnen 6000, im zweiten 7500 Einwohner. Beide haben einen Hauptort, der dem Cirque jeweils den Namen gibt, und es führt von der Küste aus eine Straße hinein. Außerdem ist Christian nicht fähig, die beiden Namen auseinander zu halten.
In Mafate hingegen gibt es keine Straßen und keine Autos, sondern nur Wanderwege - hier wohnen auch nur 750 Leute.
5. Januar
Heute ging es los zu unserer Abenteuertour nach Mafate. Für heute war aber erstmal eine Zwischenstation im Cirque de Salazie geplant, damit wir morgen ganz früh loswandern können.
Als wir um 10 Uhr morgens mit Yvonne zusammen losfuhren, hatten wir das erste Mal seit drei Wochen Sonnenschein. In Salazie angekommen, hatten wir nur noch Nebel.
Nachdem wir ausgekundschaftet hatten, wo unsere Wanderung morgen losgehen soll, sind wir weiter gefahren nach Hell-Bourg, wo unser Quartier liegt. Zunächst besichtigten wir das Maison Folio, eine Villa aus den Zeiten, als sich das Bürgertum im Sommer hierher zurückzog. Neben dem interessanten Gebäude gab es auch viel im Garten zu sehen. In einer riesigen Jugendherberge wurden wir von einer sehr netten Frau empfangen, die uns mitteilte, dass wir die einzigen seien, die dort übernachten würden. Das Haus ist ein sehr schönes altes Kolonialhaus.
Zunächst machten wir uns an einen Schlachtplan für den nächsten Tag. Drei Alternativen zogen wir in Betracht: was machen wir bei Regen, was, wenn der Regen erst nach 2 Stunden losgeht (was typisch für Réunion wäre) und was, wenn wir bis zu unserem Ziel kommen.
Danach machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Letztendlich sind wir der Empfehlung des Reiseführers gefolgt. Das Essen dort war in der Tat sehr gut, auch wenn Barbara vor lauter Entgräten die Lust an ihrer Forelle in Rum-Vanillesoße etwas verging.
Wieder zurück in der Jugendherberge, haben wir gut abgschlossen, damit uns niemand klaut - schließlich sind wir ganz alleine! - und haben gleich eine unliebsame Entdeckung gemacht: Irgendwelche Fliegen haben ihre Flügel abgestoßen und kriechen auf unseren Kopfkissen herum. Also haben wir einfach das Zimmer gewechselt - wir hatten ja die freie Auswahl.
Der Schlaf danach war allerdings etwas unruhig. Yvonne und Barbara haben sich für Schlafsäcke entschieden, damit sie keine Tiere überraschen könnten, aber nachdem ihnen zu heiß wurde, mussten sie dann doch aus dem Schlafsack kriechen. Bei jedem Geräusch wurden wir wach. Der Schrei des Margouillats, der in dem langen leeren Flur widerhallte, hörte sich für Barbara um 4 Uhr morgens wie eine Säge an, die gerade unseren Auspuff abtrennt.
6.Januar
Um 6:30 Uhr war die wenig erholsame Nacht vorbei, kurz darauf haben wir gefrühstückt. Da Barbara der Kaba nicht bekam, war sie gezwungen, auf der kurvigen Strecke selbst zu fahren, damit ihr nicht schlecht wird. Dabei war sie ziemlich müde und Yvonne hatte sich netterweise angeboten, das Fahren zu übernehmen.
Um 9 Uhr sind wir dann an unserem Wanderweg angekommen. Nachdem wir zweimal ein- und ausgestiegen sind, weil wir beim ersten mal dachten, dass wir noch ein Stückchen weiterfahren müssten, konnte es endlich losgehen.
Bei strahlendem Sonnenschein gingen wir gemütlich in Richtung Mafate, kamen an einem netten Fluss vorbei, den man überqueren musste, und genossen lange die wunderbare Aussicht. Tja, und ab dem Aussichtspunkt wurde das Ganze etwas anstrengender. Ab da ging es nur noch bergab, und da wir so viele Pausen gemacht hatten, dauerte unsere ganze Wanderung erheblich länger als geplant. Nach einer Brücke, unter der es 55 Meter in die Tiefe ging, schliefen wir erst mal eine Weile, bis wir uns dann an den letzten Aufstieg machten. Völlig geschafft kamen wir dann an unserem Gîte an, duschten schnell und hingen dann nur noch wie ein Schluck Wasser in der Kurve rum. Yvonne und Christian brachten noch den Elan auf, das Dorf zu erkunden, aber mit einem geschwollenen Fuß hat Barbara das besser sein lassen (und wohl auch nicht viel verpasst).
Abends gab es selbstgemachten Orangenpunch, Cari Hase und Rougail Saucisse - was alles sehr sehr lecker war und in keinster Weise mit unseren vorherigen Caris von den Camion-Bars vergleichbar. Zum Verdauen gab es noch einen Rhum Arrangé Ananas und ein angeregtes Gespräch mit unserer Gastgebberin und Köchin. Danach ging es schnell ins Bett, damit wir am nächsten Morgen früh aufstehen konnten.
7. Januar
Beim Aufstehen hingen die Wolken schon recht tief, aber davon ließen wir uns nicht entmutigen, schließlich lässt es sich bei bedecktem Wetter am besten Wandern. Als dann allerdings eine halbe Stunde später ein nicht endenwollender Platzregen anfing, ging unsre Stimmung dann doch rapide abwärts. Wir stellten uns mit Grauen den Aufstieg bei Regen vor, und beschlossen dann, dass es vielleicht auch nicht so gut ist, weil man dabei ja auch abstürzen könnte. Die anderen Alternativen, um Mafate wieder zu verlassen, schienen aber auch nicht sehr angenehm.
Als unsere Vermieterin aber meinte, dass die eine Zufahrtstraße doch noch von Autos befahrbar sei und wir nur 2-3 Stunden laufen müssten um den "Point 4x4" zu erreichen, war unsere Entscheidung gefallen. Ursprünglich hätte diese Straße, die an und in einem Flussbett von außen bis an den inneren Rand des Cirques führt, seit dem 31. Dezember gesperrt sein sollen. Bisher wurde sie als Zufahrtsstraße von einem privaten Bauunternehmen unterhalten, nach Beendigung der Bauarbeiten wollte jetzt niemand mehr für den Unterhalt aufkommen. Doch nach Protesten kann sie jetzt zunächst weiter genutzt werden.
Yvonnes Freunde waren netterweise bereit, uns in St.-André abzuholen. So sind wir also zu dem Treffpunkt mit dem Geländewagentaxi gewandert, dass uns nach La Possession gebracht hat. Von dort haben wir dann eine kleine Busreise um die viertelte Insel nach St.-André unternommen. Von dort haben uns Michael und Dagmar bis zu unserem Auto gefahren, dass ja noch in Salazie stand. Was angesichts der Tatsache besonders nett war, dass ihre Profifernsehkamera am Morgen kaputt gegeangen war und sie nur vier Stunden geschlafen hatten.
Um 19 Uhr waren wir endlich alle völlig geschafft daheim, haben schnell geduscht und sind dann Essen gegangen, denn zum Kochen hatte niemand mehr Lust.
8.-9. Januar
Das Wochenende haben wir eher ruhig verbracht. Das Wetter ist immer noch sehr regnerisch. Und weil die ganze nächste Woche auch nix Spannendes passiert ist, geht es gleich weiter mit der übernächsten Woche.
In der Zwischenzeit ein paar Seiten, die mal außerhalb der chronologischen Reihenfolge von Interesse ein könnten:
- Fauna (Fotos)
- Flora (Fotos)
- Cirques (siehe auch weiter oben in dieser Woche)
- Dodo (vor allem Fotos)
- Schilder (Fotos)
- Gouzous (hauptsächlich Fotos)