Tagebuch 15.-21. November
Aus Réunion 2004-2005
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Inhaltsverzeichnis |
15. November
Entspannter Einkauf am Feierabend
Nach ihrer Entschuldigung vom letzten Freitag konnten sich Maria-Lourdes und Barbara wieder normal auf dem Balkon unterhalten, eine Gelegenheit, die Maria-Lourdes heute gleich zweimal genutzt hat. Ab nächster Woche werden ihr wieder ihre ursprünglichen Schulen zugewiesen, sie wird dann nicht mehr mit Barbara mitfahren.
Christian ist noch immer hauptsächlich mit der Einrichtung der Computer beschäftigt, damit auch die ausgefalleneren Internet-Anwendungen auf beiden Computern laufen. Immerhin konnten wir heute abend schon Videotelefonie übers Internet mit Barbaras Schwester in Heidelberg betreiben.
Der Einkaufsabend mit Indie und Maria-Lourdes beim Supermarkt Hypercrack war etwas ungemütlich. Die Musik dort passt stets eher zu einer 80er-Jahre-Disco als zu einem Supermarkt (das ist noch nicht das störende). Der Markt schließt um 19:30 Uhr, aber die ersten Lichter gingen schon um 19:15 Uhr aus, die Sicherheitsleute baten uns, bitte zur Kasse zu gehen, und um 19:27 wurden dann die Gitter heruntergelassen und die letzten Kunden konnten nur noch durch den Notausgang heraus. Wir haben verstanden und werden das nächste Mal etwas früher einkaufen gehen.
16. November
Spritze und Algerien
Heute abend haben wir wieder eine typische Tour nach St.-Pierre gemacht: Erst zu Rachida und Sybrandos zur Hepatitis-Impfung (dieses Mal A), danach ins Kulturzentrum für einen weiteren Film des mediterranen Filmfestivals, Viva Ladjerie, einem Film aus Algerien. Eindrücklich zeigt der Film am Alltag zweier Frauen - Mutter und Tochter - die langsame Rückkehr zur Normalität in einem Land, dass Jahrzehnt von Terror und Misstrauen geprägt war. Wer versuchte, einen stringenten Handlungsstrang zu finden, verließ den Kinosaal allerdings etwas ratlos.
17. November
Wir haben den Durchblick
Noch immer war die Grundreinigung unserer Wohnung noch nicht vollendet. So lange der Zugang zu dem einen Balkon blockiert war, konnten wir die Fenster in Küche, Vorratsraum und Schlafzimmer nicht putzen. Heute hat Barbara an ihrem freien Tag die ganzen Fenster geputzt, die vorher einen dunkelgrauen Schleier hatten. Am späten Nachmittag sind wir mit Indie und Yvonne nach St. Pierre gefahren. Zuerst waren wir in der Médiathèque und haben ein Buch ausgeliehen, dann haben wir in einem Basar (in Deutschland wäre das ein Geschäft irgendwo zwischen Ramschladen und Haushaltswarengeschäft) Lampenschirme für die bislang nackten Glühbirnen gekauft. In der Markthalle, dem Marché couvert, haben wir noch eine schöne Tischdecke mit passenden Servietten für unseren Esstisch gefunden.
18. November
Unser Alltag
Heute ist nichts Außergewöhnliches passiert, wir haben auch nichts unternommen. Vielleicht eine gute Gelegenheit, einen Blick auf unseren normalen Tagesablauf zu werfen.
19. November
Markttag
Letzten Freitag hat es geregnet und daher fehlte uns der Enthusiuasmus, auf den Markt zu gehen, Obwohl er fast vor unserer Haustüt ist. Dafür haben wir heute wieder ausgiebig auf dem Markt eingekauft. Hier gibt es vor allem frische Nahrungsmittel. Die meisten Stände verkaufen Obst und Gemüse, es gibt einen Eiermann, Wagen von Metzgern, Stände mit Fisch und lebendiges Geflügel. Außerdem gibt es Stände mit Körben, T-Shirts, Gewürzen und Blumen. Gerade bei Obst und Gemüse ist das Preis-Leistungsverhältnis hier besser als im Supermarkt.
Es gibt hier einige für uns ungewohnte Obst- und Gemüsesorten, aber wir haben uns hauptsächlich an Bekanntes gehalten, solange wir noch nicht wissen, wie was zubereitet wird. Auf dem Bild zu sehen sind links hinter der Ananas Litschis, natürlich noch am Zweig und ungeschält. Davor ganz links Zwiebeln, daneben Tomaten, die hier immer länglich sind. Davor eine Chayote (Stachelgurke, Christophine, botanisch Sechium edule), die hier Chouchou genannt wird, es handelt sich um ein Kürbisgewächs. Vor der Ananas liegt eine Mango auf Tangors (einer Kreuzung aus Orange und Mandarine). Die Eier rechts daneben haben hier auch einen Herkunftsstempel, dahinter liegen noch Erdbeeren und Kartoffeln.
Heute Nachmittag hat Maria-Lourdes mal wieder am Balkon Bericht aus ihrem Leben erstattet. Sie war heute bei einer Krisensitzung mit allen Direktoren der Schulen, an denen sie unterrichtet oder möglicherweise alternativ unterrichten könnte, um eine praktikable Lösung zu finden, damit sie an drei gut von St.-Pierre erreichbaren Schulen unterrichten kann und gleichzeitig der Sprachunterricht in den Grundschulen sinnvoll organisiert werden kann. Die stundenlange Sitzung hat aber zu keinem einvernehmlichen Ergebnis geführt.
Heute abend waren wir mit Yvonne abermals im Kino (wir befürchteten schon Entzugserscheinungen). Der erste Film war L'Enquête corse mit Jean Reno als dem gesuchtem Separatistenführer. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um eine Komödie, deren Vorlage ein Comic war. Der zweite Film war Schau mich an - Comme une image, der auch gerade in deutschen Kinos anlief.
20. November
Großkauftag
Heute vormittag fuhren Barbara und Yvonne nach St.-Pierre zum Einkaufen, Christian blieb lieber zu Hause. Erstes Ziel war der Markt, der am Samstag neben Nahrungsmitteln viel an Dekoration und Souvenirs bietet. Barbara konnte sich endlich ein Paar Schuhe kaufen. Immerhin ist sie schon über einen Monat da und immer noch kein Paar neues Paar Schuhe! Außerdem hat sie noch einmal drei Pareos erstanden, denn davon kann man nie genug haben. Außerdem hat Barbara die ersten Litschis der Saison gekauft. Mit 2,50 Euro das Kilo noch etwas teuer, aber dafür waren sie auch gut. Weitere Stationen waren der Marché couvert, bei dem Yvonne und Barbara nicht umhin kamen die Sonderangebote zu nutzen und einige sehr hübsche Sachen zu kaufen, auf die man aber zu Not auch eventuell hätte verzichten können :-), der Basar nebenan, die Médiathèque, eine Eisdiele mit Riesenkugeln, eine Imbissbude und die Bekleidungshäuser Ghanty und Étam, in denen dann aber doch nichts gekauft wurde.
Anschließend ging es zu Géant und Leader Price. Géant für die Luxusartikel, auf die man aber dann doch nicht verzichten will, und Leader Price für die alltäglichen Sachen. Da St.-Pierre so langsam doch etwas unerträglich wird, was die Hitze betrifft, waren sie dann auch völlig erledigt, als sie um 17 Uhr dann endlich mal heim kamen.
21. November
Coffee and Soccer
Heute hatten wir das erste Mal offiziell zu Kaffee und Kuchen geladen. Damit gab es auch eine Premiere für unseren Ofen: Er wurde zum ersten Mal zum Kuchen Backen genutzt und das Resultat war sogar einigermaßen genießbar. Unser Besuch war höflich und meinte sogar, der Kuchen schmecke sehr gut. Am Ende konnte sich Damien allerdings nicht verkneifen zu sagen, dass es wohl etwas dauern würde, bis der Kuchen verdaut sei. Als der Kuchen nach einiger Vorbereitung am Vormittag in der in der Backröhre war, hatten wir Zeit, mit Yvonne die Fotos anzuschauen, die wir bis jetzt alle gemacht haben, sie zu sortieren und zusammen Mittag zu essen.
Um 15.30 Uhr kamen Nathalie und Damien zu Besuch, zu dem Zeitpunkt war gerade Anpfiff im gegenüberliegenden Fußballstadion. Als sie sich um 17.30 Uhr nach zwei sehr unterhaltsamen Stunden verabschiedeten, lief das Spiel immmer noch. Nun gut, die Halbzeit hätte ja etwas länger dauern können. Als um 19.30 Uhr aber immer noch gespielt wurde, haben sich meine Erklärungsversuche erschöpft und ich weiß bis jetzt noch nicht, wieso das so lange gedauert hat. Vielleicht ist das ja wie im Kino, anstatt zwei Filme für einen Preis, gibt es dort zwei Spiele für einmal Eintritt?
Abends haben wir mit Yvonne und Indie Bend it like Beckham auf DVD angeschaut, was vor allem Indie sehr gefallen hat, da sie sich an zu Hause erinnert gefühlt hat und den anderen zwei Mädels, weil die sehr auf Fußball stehen, auch wenn wir etwas zu faul sind, selber zu spielen.