Tagebuch 22.-28. November
Aus Réunion 2004-2005
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Inhaltsverzeichnis |
22. November
Stressiger Tag für Barbara
Heute Morgen schaue ich zufällig auf meinen Arm und erblicke einen sehr komisch geformten Fleck. Da es mir nach unserer Punsch- und Bierprobe von gestern sowieso nicht so gut ging, fand ich das überhaupt nicht gut. Gleich mal die Krankenversicherung angerufen und habe gefragt, was man denn so machen muss, wenn man zum Arzt will und noch keine Krankenkarte hat. Nachdem sich das einigermaßen machbar angehört hatte, wurde ich aufgeklärt, dass aber jeder Arzt einen anderen Tarif nehmen kann und nur der Basistarif zurückerstattet wird. Ich solle mich vorher erkundigen, was die Konsultation kostet. Da ich zu faul war, alle anzurufen und zu fragen, bin ich nachmittags zu dem Arzt, bei dem ich vor drei Jahren schon Mal war, denn da wusste ich, dass er nur den Basistarif nimmt. Der hat meine Sorgen bezüglich Hautkrebs dann gleich gemindert und meinte, es sei ein Pilz. Ende gut alles gut. Viel Aufregung um nix.
23. November
Stromausfall
Woran lässt sich erkennen, dass jemand einen Akku im Laptop hat? Er merkt nicht, wenn der Strom ausfällt. So ging es Christian heute zumindest eine Weile lang. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, Geschäfte und Produktionsbetriebe hatten aber wirklich Probleme. Auslöser war kein technisches Problem, sondern ein Streik im E-Werk. Die Hintergründe sind etwas wirr: Am 20. September wurde ein Erschwernis- und Schmutzzuschlag zwischen Firmenleitung und vereinbart, der aber unzulässig war. Jetzt scheint die Firmenleitung aber auch nicht bereit zu sein, alternative Lösungen zu finden. Daher gab es heute nachmittag keinen Strom.
24. November
Adventskranz aus Salzteig
Mein freier Tag, auf den ich mich jede Woche aufs Neue freue, wurde heute darauf verwendet, einen Adventskranz für meine Schüler zu machen. Nach tagelangem Überlegen, aus was ich den Kranz machen könnte, bin ich auf Salzteig gekommen. Tannenzweige bekommt man hier nicht, es gibt zwar Nadelbäume, aber das sieht nicht gleich aus und aus Stroh war mir erstens zu teuer und zweitens zu kompliziert.
Also Salzteig. Nachdem Yvonne von meiner Idee gehört hatte, fand sie, sie sollte ihren Schülern Advent auch mal näher bringen und hat sich mir angeschlossen. Meine Geduld hat noch für das Formen des Kranzes und die Kerzenhalter gereicht. Das Dekorieren des Kranzes mit Stern, Geschenk, Tannenbaum und Schneemann musste Christian übernehmen. Jetzt heißt es warten und hoffen, dass das ganze bis Montag trocken ist.
Abends haben wir auf DVD Das Wunder von Bern geschaut, was erstaunlicherweise englische Untertitel hat, so dass auch Indie mitschauen konnte.
25. November
Garten und Wohnung
Heute war Barbara nach der Schule am späten Nachmittag noch bei Tuja wegen einiger organisatorischer Dinge. Tuja betreut den Deutschunterricht an den Grundschulen und unterrichtet selbst am Collège. Urpsrünglich kommt sie aus aus Finnland. Da sie einen großen Garten hat, brachte Barbara Kochbananen und Salat mit.
Weil sonst nichts berichtenswertes passiert ist, gibt es heute die exklusive Möglichkeit, den Blick in ein fremdes Schlafzimmer zu werfen - und in die anderen Räume unserer Wohnung auch.
26. November
Pizza und Schuhe
Heute nachmittag hat Christian aus Tujas Bananen Bananenkuchen gebacken. Heute abend gab es bei uns selbst gemachte Pizza. Danach haben wir mit Indie, Yvonne und Maria-Lourdes Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh von DVD geschaut. Da auch heute ansonsten nichts Interessantes passiert ist, heute mal etwas über Vanille.
27. November
Ausflug in den Süd-Westen
Heute haben wir einen Ausflug mit Manuelle und Yvonne gemacht. Unser Ziel war das Vanille-Haus in St.-André. Auf dem Hinweg haben wir die Insel über die Hochebene durchquert, auf dem Rückweg sind wir an der Südküste entlang gefahren.Im Vanillehaus haben wir eine Führung von einer dreiviertel Stunde gemacht, danach gab es noch Vanille-Likör. Was wir dort gelernt haben, steht unter dem Verweis von gestern.
In St.-André haben wir außerdem noch kurz bei einem der tamilischen Tempel halt gemacht. Unser nächstes Ziel war Bethléem, ein Tal, dass sich durch seine Bambusstöcke und Litschibäume auszeichnet. Weiter sind wir zu der Kirche von Ste.-Anne. Hier haben sich im Film La Sirène du Mississippi Jean-Paul Belmondo und Catherine Deneuve das Ja-Wort gegeben.
In der Nähe von Ste.-Rose haben wir dann eine Hängebrücke angeschaut. Das 1894 eingeweihte Bauwerk hat eine Spannweite von 106 Metern und wurde vom Ingenieurbüro Eiffel konstruiert. Bis 1979 fuhr der Autoverkehr über diese Brücke, seither ist sie nur noch für Fußgänger zugänglich.
Auf dem weiteren Weg die Küstenstraße im Uhrzeigersinn entlang durchquerten wir mehrere Lavafelder. Zuerst kamen wir zur Kirche Notre-Dame-des-Laves in Piton-Sainte-Rose. Hier machte in der Osterwoche 1977 der Lavastrom vor dem Altar halt. Nächster Lavastrom war der von 2002, der von einem Ausbruch stammt, während dem Barbara das erste Mal auf Réunion war. Hier ist auch die Vierge au Parasol, eine Marienfigur mit Schirm, die Lavaströme aufhalten soll. Meistens klappts, einmal wurde sie überrollt und heimlich ersetzt; vor zwei Jahren wurde sie dann sicherheitshalber aus dem Weg geräumt.Vor dem nächsten Lavastrom fuhren wir zur Anse des Cascades, der Wasserfall-Bucht. Dort sind Steilhänge direkt an der Küste und mit Wasserfällen übersät. Die Lavaströme von 1986 und 2004 (der Vulkan ist zuletzt am 13. August ausgebrochen) überschneiden sich. An einigen Stellen des abgekühlten Lavastromes tritt auch jetzt noch heiße Luft und Wasserdampf aus Spalten aus.
Vor dem Heimweg hielten wir noch kurz am Pointe de la Table, wo das vulkanische Gestein besonders beeindruckend ins Meer abbricht.
28. November
1. Advent
Den heutigen Vormittag haben wir erstmal wieder zu einem Großeinkauf genutzt. Am Nachmittag haben wir dann die CD mit Adventsliedern eingelegt und den Adventskranz aus Salzteig eingeweiht.
Von unserem gestrigen Ausflug gibt es übrigens noch ein paar mehr Bilder als die hier im Tagebuch. Zu finden sind sie unter: Ausflug 27. November